Editorial

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Scambio tra diverse filosofie educative


Scambio tra diverse filosofie educative


Ein befruchtender Austausch über verschiedene Bildungsphilosophien 

 

Text und Fotos Niklaus Schefer 

 

Nachdem acht Gymnasiallehrer:innen aus den Gymnasien Thun und Lerbermatt im November 2023 zwei Licei in Bergamo besuchen konnten, freuten wir uns, 13 Lehrpersonen zu uns nach Thun und Bern einzuladen, um einen Einblick in unsere Schulen zu geben. Am Mittwoch, 16. Oktober 2024 war es so weit. Der Austausch des dreitägigen Programms umfasste Unterrichtshospitationen, Gespräche über den Schulbetrieb, die Schulorganisation und -kultur und Informationen zum schweizerischen (bzw. Berner) Bildungssystem. Umrahmt wurde das Programm von Stadtführungen in Thun und Bern mit geselligem Beisammensein.

 

Aus den zahlreichen Erfahrungen und Gesprächen ergeben sich folgende bemerkenswerte Aspekte.

 

1. Unterschiedliche Organisation des Unterrichts

Im Klassenraum sind bei uns die Pulte in den besuchten Schulen häufiger in Hufeisenform statt reihenweise angeordnet. Die Klassengrössen sind hier oft kleiner als in Italien. Die kurzen Pausen (in der Regeln nach jeder Lektion) wurden von den Gästen als sehr wertvoll eingeschätzt, da sie eine bessere Konzentration und ein wirksameres Lernen im Vergleich zu ihrer eigenen Unterrichtspraxis in Bergamo feststellen.

 

2. Umfang Hausaufgaben

Die Menge der Hausaufgaben ist in Bergamo meist deutlich grösser. Dies hat auch damit zu tun, dass der Präsenzunterricht weniger Lektionen umfasst und oft um 14.00 Uhr am Nachmittag endet.

 

3. Lehrpersonen mit fachspezifischer Ausbildung

In der Regel haben alle Schweizer Gymnasiallehrpersonen einen Masterabschluss im Hauptfach, das sie unterrichten. In Italien ist es wegen Fachgruppen (z.B. Fach Biologie-Chemie-Physik) möglich, dass eine Chemikerin auch Biologie unterrichten muss.

 

4. Testorganisation (prova di recupero)

Für unsere Gäste war es auffällig, dass es keine Wiederholungstests für die Lernenden gibt, wenn sie bei einer wichtigen Prüfung eine ungenügende Leistung erzielt hatten.

 

5. Eigenverantwortung

Ein zentraler Unterschied zwischen den zwei Bildungssystemen mit ihren jeweiligen sozialen oder kulturellen Erwartungen. In Italien sind Lehrpersonen verpflichtet, für die Schüler:innen während der Schulzeit Verantwortung zu tragen und die Tätigkeiten der Lernenden zu überwachen, weil letztlich die Lehrpersonen für das Verhalten haften. In der Schweiz wird Wert darauf gelegt, dass die Schüler:innen, auch wenn sie noch nicht volljährig sind, lernen, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen. Entsprechend haben Schule und Lehrpersonen hier weniger Pflichten in diesem Bereich und können sich stärker und freier auf den Inhalt des Unterrichts konzentrieren.
Dies zeigt sich zum Beispiel im Naturwissenschaftsunterricht mit wissenschaftlichen Experimenten oder bei Studien- oder Projektwochen, die unter den Berner Bedingungen problemloser durchgeführt werden können.
Zudem widerspiegelt sich dieser Punkt auch im Verhältnis zu den Eltern der Lernenden. In Italien ist es unabdingbar, dass diese in den schulischen Alltag einbezogen werden und allenfalls auch mitreden.

 

6. Verhältnis zwischen Lehrpersonen und Schüler:innen

Den Gästen fällt auf, dass die Beziehung und Kommunikation zwischen Lehrpersonen und der Klasse respektvoll und oft informell-angenehm wirkt.

 

7. Induktive oder deduktive Methode der Didaktik

In der Schweiz herrscht eher eine induktive Didaktik mit Erfahrungen und Experimenten, Diskussionen und anschliessenden Theorieteilen vor, es wird weniger frontal unterrichtet als in Italien.

 

8. (Freie) Lektürewahl – Lehrfreiheit

In den Austauschgesprächen wurde den Gastgebern ein weiterer kultureller Unterschied bewusst, nämlich wie gross die Lehrfreiheit in der Schweiz ist. In Italien sind die Lehrinhalte deutlicher durch einen fixierten Kanon definiert, an den sich die Lehrperson halten muss. Die Lehrpläne sind oft strikter und theoretischer.

 

9. Fremdsprachen-/Literatur-/Philosophieunterricht

In den besuchten Schulen stehen exemplarische Lektüren von Einzelwerken in Originalsprache im Zentrum. In Bergamo findet eher ein Parcours durch die Literaturgeschichte statt, so dass die Lektüre von Originalwerken einen kleineren Stellenwert besitzt. Der gleiche Unterschied in der Gewichtung lässt sich in der Philosophie feststellen. Zeitgenössische Positionen zu behandeln oder einen Bezug zur Gegenwart und Lebenswelt herzustellen, wird dadurch erschwert.

 

10. Kompetenz- vs. Stoffkanonorientierung

Verallgemeinernd zeigt sich in den besuchten Schulen in Thun und Bern eher eine (zum Teil interdisziplinäre) Kompetenz- und Praxisorientierung nach dem Stichwort «Bildung soll einen Nutzen haben». Die Ausrichtung an einem klassischen Stoffkanon in Bergamo hingegen legt den Wert auf eine vertiefte Vermittlung des reichen kulturellen Schatzes unserer Zivilisation und weniger auf eine mögliche ökonomische oder gesellschaftliche Verwertbarkeit.

 

11. Breite vs. Vertiefung der Bildung

Dies führt zu einem nächsten wichtigen Unterschied. Während die Schweizer Maturität die allgemeine Hochschulreife in der Regel ohne weitere Zulassungsbedingungen bedeutet und deshalb aus einem breiten Fächer an Grundlagenfächer besteht, ermöglicht die in Bergamo an den beiden Licei offerierten Schwerpunkte (in Naturwissenschaften und Bildnerischem Gestalten) neben einer gewissen Breite eine Vertiefungsmöglichkeit, die mit dem Angebot an Wahlpflichtfächern (Schwerpunkt- und Ergänzungsfach) und deren Stundendotation überhaupt nicht vergleichbar ist. Diese fehlenden Vertiefungsmöglichkeiten, gepaart mit einhergehender Oberflächlichkeit, fielen auch den Gästen auf.

 

12. Systemunterschied Grundlagenfächer und einzelne Wahlpflichtoptionen vs. Auswahl fixer Maturtypen

So stellt sich nochmals die Frage, ob die in der Schweiz 1994/1995 initiierte Reform mit der Abschaffung der Maturitätstypen und der Einführung der Schwerpunktfächer tatsächlich eine so positive Reform darstellt angesichts des italienischen Systems, das im Verlauf der letzten Jahrzehnte die klassischen Typen durch neue (zum Beispiel Musik-/humanwissenschaftliches Gymnasium) erweitert und so das Bildungsangebot modernisiert hat, ohne die Vertiefungsmöglichkeiten zu schmälern.

 

Der vertiefte Einblick in zwei italienische Gymnasien war aufschlussreich und half, unreflektierte Stereotypen der beiden Bildungskulturen zu korrigieren und neue Horizonte zu erkennen. Der konkret erlebte Einblick in ein anderes Bildungssystem ist wie ein Blick in einen Spiegel. Durch das Wahrnehmen eines alternativen Schulparadigmas werden wir uns der eigenen (pädagogischen) Selbstverständlichkeiten, Stärken und Schwächen besser bewusst und können uns von den positiven Impulsen des fremden Bildungssystems befruchten lassen. Von den erwähnten 12 Punkten wirken vor allem die drei Erkenntnisse Eigenverantwortung, Kompetenz- vs. Stoffkanonorientierung und Breite vs. Vertiefung nach. Aus Berner und Thuner Sicht wird uns bewusst, wie wertvoll das pädagogische Prinzip der Eigenverantwortung ist, wie wichtig es ist, dies zu bewahren und gegen Prozesse der Verrechtlichung zu schützen. Auf der anderen Seite vermissen wir im Schweizer System die Vertiefungsmöglichkeiten, wie sie die Profile an den beiden Bergamasker Licei vorsehen. Es ist ein wichtiger pädagogischer Impuls für uns, auch wenn die Rahmenbedingungen der Überarbeitung der Schweizer Matur (WEGM) noch mehr eine (oft oberflächliche) Breite der Ausbildung statt eine Vertiefung betonen. Ambivalent fällt die Beurteilung beim dritten Punkt aus: Sowohl die zukunfts- und lebensweltorientierte (Kompetenz-)Didaktik als auch der Fokus auf die Vermittlung bedeutender kulturhistorischer Zusammenhänge sind wertvolle Bildungsziele. Beiden Ansprüchen gerecht zu werden ist aber schwierig. Aus unserer Schweizer Warte können wir als Impuls mitnehmen, die (kultur-)historische Perspektive auch jenseits des Geschichtsunterrichts nicht zu vernachlässigen und die zahlreichen Kulturschätze im Unterricht entdecken zu lassen.

 

Unschätzbar war der gemütliche Austausch im geselligen Rahmen und die echte Dankbarkeit, die wir von unseren Gästen spürten. So war dieses Austauschprojekt für uns alle ein besonderes Erlebnis und eine wertvolle persönliche und pädagogische Bereicherung. Auf dem entstandenen vertrauensvollen Beziehungsnetz sind bereits weitere Kollaborationen entstanden. Der Kontakt mit einem drittem (humanwissenschaftlichen) Liceo Secco Suardo in Bergamo (mit Schwerpunkt auf «PPP» und Musik) konnte inzwischen hergestellt werden. Zudem besteht ein Materialaustausch in den Fächern Mathematik/Physik (Thun) oder Biologie/Chemie (Bern). Im Sommer 2025 fand eine erfolgreiche SF-PPP-Studienwoche in Bergamo statt, in der wir vor Ort durch die Lehrpersonen freundlich unterstützt wurden. In Planung ist eine mehrtägige Exkursion einer Italienisch-Klasse (SF und 3. Sprache) in der schönen lombardischen Stadt. Solche Projekte werden von beiden Schulleitungen (Thun und Lerbermatt) gestützt.

 

Herzlichen Dank an dieser Stelle an die Stiftung Movetia, die einen solchen herzhaften und horizonterweiternden Austausch möglich machte.

 

 

 

 

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Abschlussklassen

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Ein befruchtender Austausch über verschiedene Bildungsphilosophien 

 

Text und Fotos Niklaus Schefer 

 

Nachdem acht Gymnasiallehrer:innen aus den Gymnasien Thun und Lerbermatt im November 2023 zwei Licei in Bergamo besuchen konnten, freuten wir uns, 13 Lehrpersonen zu uns nach Thun und Bern einzuladen, um einen Einblick in unsere Schulen zu geben. Am Mittwoch, 16. Oktober 2024 war es so weit. Der Austausch des dreitägigen Programms umfasste Unterrichtshospitationen, Gespräche über den Schulbetrieb, die Schulorganisation und -kultur und Informationen zum schweizerischen (bzw. Berner) Bildungssystem. Umrahmt wurde das Programm von Stadtführungen in Thun und Bern mit geselligem Beisammensein.

 

Aus den zahlreichen Erfahrungen und Gesprächen ergeben sich folgende bemerkenswerte Aspekte.

 

1. Unterschiedliche Organisation des Unterrichts

Im Klassenraum sind bei uns die Pulte in den besuchten Schulen häufiger in Hufeisenform statt reihenweise angeordnet. Die Klassengrössen sind hier oft kleiner als in Italien. Die kurzen Pausen (in der Regeln nach jeder Lektion) wurden von den Gästen als sehr wertvoll eingeschätzt, da sie eine bessere Konzentration und ein wirksameres Lernen im Vergleich zu ihrer eigenen Unterrichtspraxis in Bergamo feststellen.

 

2. Umfang Hausaufgaben

Die Menge der Hausaufgaben ist in Bergamo meist deutlich grösser. Dies hat auch damit zu tun, dass der Präsenzunterricht weniger Lektionen umfasst und oft um 14.00 Uhr am Nachmittag endet.

 

3. Lehrpersonen mit fachspezifischer Ausbildung

In der Regel haben alle Schweizer Gymnasiallehrpersonen einen Masterabschluss im Hauptfach, das sie unterrichten. In Italien ist es wegen Fachgruppen (z.B. Fach Biologie-Chemie-Physik) möglich, dass eine Chemikerin auch Biologie unterrichten muss.

 

4. Testorganisation (prova di recupero)

Für unsere Gäste war es auffällig, dass es keine Wiederholungstests für die Lernenden gibt, wenn sie bei einer wichtigen Prüfung eine ungenügende Leistung erzielt hatten.

 

5. Eigenverantwortung

Ein zentraler Unterschied zwischen den zwei Bildungssystemen mit ihren jeweiligen sozialen oder kulturellen Erwartungen. In Italien sind Lehrpersonen verpflichtet, für die Schüler:innen während der Schulzeit Verantwortung zu tragen und die Tätigkeiten der Lernenden zu überwachen, weil letztlich die Lehrpersonen für das Verhalten haften. In der Schweiz wird Wert darauf gelegt, dass die Schüler:innen, auch wenn sie noch nicht volljährig sind, lernen, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen. Entsprechend haben Schule und Lehrpersonen hier weniger Pflichten in diesem Bereich und können sich stärker und freier auf den Inhalt des Unterrichts konzentrieren.
Dies zeigt sich zum Beispiel im Naturwissenschaftsunterricht mit wissenschaftlichen Experimenten oder bei Studien- oder Projektwochen, die unter den Berner Bedingungen problemloser durchgeführt werden können.
Zudem widerspiegelt sich dieser Punkt auch im Verhältnis zu den Eltern der Lernenden. In Italien ist es unabdingbar, dass diese in den schulischen Alltag einbezogen werden und allenfalls auch mitreden.

 

6. Verhältnis zwischen Lehrpersonen und Schüler:innen

Den Gästen fällt auf, dass die Beziehung und Kommunikation zwischen Lehrpersonen und der Klasse respektvoll und oft informell-angenehm wirkt.

 

7. Induktive oder deduktive Methode der Didaktik

In der Schweiz herrscht eher eine induktive Didaktik mit Erfahrungen und Experimenten, Diskussionen und anschliessenden Theorieteilen vor, es wird weniger frontal unterrichtet als in Italien.

 

8. (Freie) Lektürewahl – Lehrfreiheit

In den Austauschgesprächen wurde den Gastgebern ein weiterer kultureller Unterschied bewusst, nämlich wie gross die Lehrfreiheit in der Schweiz ist. In Italien sind die Lehrinhalte deutlicher durch einen fixierten Kanon definiert, an den sich die Lehrperson halten muss. Die Lehrpläne sind oft strikter und theoretischer.

 

9. Fremdsprachen-/Literatur-/Philosophieunterricht

In den besuchten Schulen stehen exemplarische Lektüren von Einzelwerken in Originalsprache im Zentrum. In Bergamo findet eher ein Parcours durch die Literaturgeschichte statt, so dass die Lektüre von Originalwerken einen kleineren Stellenwert besitzt. Der gleiche Unterschied in der Gewichtung lässt sich in der Philosophie feststellen. Zeitgenössische Positionen zu behandeln oder einen Bezug zur Gegenwart und Lebenswelt herzustellen, wird dadurch erschwert.

 

10. Kompetenz- vs. Stoffkanonorientierung

Verallgemeinernd zeigt sich in den besuchten Schulen in Thun und Bern eher eine (zum Teil interdisziplinäre) Kompetenz- und Praxisorientierung nach dem Stichwort «Bildung soll einen Nutzen haben». Die Ausrichtung an einem klassischen Stoffkanon in Bergamo hingegen legt den Wert auf eine vertiefte Vermittlung des reichen kulturellen Schatzes unserer Zivilisation und weniger auf eine mögliche ökonomische oder gesellschaftliche Verwertbarkeit.

 

11. Breite vs. Vertiefung der Bildung

Dies führt zu einem nächsten wichtigen Unterschied. Während die Schweizer Maturität die allgemeine Hochschulreife in der Regel ohne weitere Zulassungsbedingungen bedeutet und deshalb aus einem breiten Fächer an Grundlagenfächer besteht, ermöglicht die in Bergamo an den beiden Licei offerierten Schwerpunkte (in Naturwissenschaften und Bildnerischem Gestalten) neben einer gewissen Breite eine Vertiefungsmöglichkeit, die mit dem Angebot an Wahlpflichtfächern (Schwerpunkt- und Ergänzungsfach) und deren Stundendotation überhaupt nicht vergleichbar ist. Diese fehlenden Vertiefungsmöglichkeiten, gepaart mit einhergehender Oberflächlichkeit, fielen auch den Gästen auf.

 

12. Systemunterschied Grundlagenfächer und einzelne Wahlpflichtoptionen vs. Auswahl fixer Maturtypen

So stellt sich nochmals die Frage, ob die in der Schweiz 1994/1995 initiierte Reform mit der Abschaffung der Maturitätstypen und der Einführung der Schwerpunktfächer tatsächlich eine so positive Reform darstellt angesichts des italienischen Systems, das im Verlauf der letzten Jahrzehnte die klassischen Typen durch neue (zum Beispiel Musik-/humanwissenschaftliches Gymnasium) erweitert und so das Bildungsangebot modernisiert hat, ohne die Vertiefungsmöglichkeiten zu schmälern.

 

Der vertiefte Einblick in zwei italienische Gymnasien war aufschlussreich und half, unreflektierte Stereotypen der beiden Bildungskulturen zu korrigieren und neue Horizonte zu erkennen. Der konkret erlebte Einblick in ein anderes Bildungssystem ist wie ein Blick in einen Spiegel. Durch das Wahrnehmen eines alternativen Schulparadigmas werden wir uns der eigenen (pädagogischen) Selbstverständlichkeiten, Stärken und Schwächen besser bewusst und können uns von den positiven Impulsen des fremden Bildungssystems befruchten lassen. Von den erwähnten 12 Punkten wirken vor allem die drei Erkenntnisse Eigenverantwortung, Kompetenz- vs. Stoffkanonorientierung und Breite vs. Vertiefung nach. Aus Berner und Thuner Sicht wird uns bewusst, wie wertvoll das pädagogische Prinzip der Eigenverantwortung ist, wie wichtig es ist, dies zu bewahren und gegen Prozesse der Verrechtlichung zu schützen. Auf der anderen Seite vermissen wir im Schweizer System die Vertiefungsmöglichkeiten, wie sie die Profile an den beiden Bergamasker Licei vorsehen. Es ist ein wichtiger pädagogischer Impuls für uns, auch wenn die Rahmenbedingungen der Überarbeitung der Schweizer Matur (WEGM) noch mehr eine (oft oberflächliche) Breite der Ausbildung statt eine Vertiefung betonen. Ambivalent fällt die Beurteilung beim dritten Punkt aus: Sowohl die zukunfts- und lebensweltorientierte (Kompetenz-)Didaktik als auch der Fokus auf die Vermittlung bedeutender kulturhistorischer Zusammenhänge sind wertvolle Bildungsziele. Beiden Ansprüchen gerecht zu werden ist aber schwierig. Aus unserer Schweizer Warte können wir als Impuls mitnehmen, die (kultur-)historische Perspektive auch jenseits des Geschichtsunterrichts nicht zu vernachlässigen und die zahlreichen Kulturschätze im Unterricht entdecken zu lassen.

 

Unschätzbar war der gemütliche Austausch im geselligen Rahmen und die echte Dankbarkeit, die wir von unseren Gästen spürten. So war dieses Austauschprojekt für uns alle ein besonderes Erlebnis und eine wertvolle persönliche und pädagogische Bereicherung. Auf dem entstandenen vertrauensvollen Beziehungsnetz sind bereits weitere Kollaborationen entstanden. Der Kontakt mit einem drittem (humanwissenschaftlichen) Liceo Secco Suardo in Bergamo (mit Schwerpunkt auf «PPP» und Musik) konnte inzwischen hergestellt werden. Zudem besteht ein Materialaustausch in den Fächern Mathematik/Physik (Thun) oder Biologie/Chemie (Bern). Im Sommer 2025 fand eine erfolgreiche SF-PPP-Studienwoche in Bergamo statt, in der wir vor Ort durch die Lehrpersonen freundlich unterstützt wurden. In Planung ist eine mehrtägige Exkursion einer Italienisch-Klasse (SF und 3. Sprache) in der schönen lombardischen Stadt. Solche Projekte werden von beiden Schulleitungen (Thun und Lerbermatt) gestützt.

 

Herzlichen Dank an dieser Stelle an die Stiftung Movetia, die einen solchen herzhaften und horizonterweiternden Austausch möglich machte.

 

 

 

 

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